KJKP „RAD“ Sarajevo – Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim

Die Projektbeteiligten

  • Internationaler Partner
  • Deutscher Partner

KJKP „RAD“ Sarajevo

Das kantonale öffentliche Versorgungsunternehmen KJKP „RAD“ d.o.o. Sarajevo ist für die Sammlung, den Transport und die Entsorgung von Siedlungsabfällen im Kanton Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, zuständig. Das Versorgungsgebiet umfasst neun Gemeinden mit insgesamt über 430.000 Einwohner*innen auf einer Fläche von rund 1.276 km². Das Unternehmen wurde 1959 gegründet und beschäftigt rund 1.060 Mitarbeitende. Zu den zentralen Aufgaben gehören die Abfallentsorgung, Stadtreinigung sowie die Entsorgung tierischer Abfälle. Die Sammelquote liegt bei rund 84–85 % für Haushalte und etwa 87 % für Gewerbebetriebe. Die Abfallsammlung erfolgt in der Regel dreimal wöchentlich; in der Innenstadt und der Altstadt wird täglich im Drei-Schicht-Betrieb gesammelt. Die Entsorgung erfolgt überwiegend über 1.100-Liter-Behälter, unterirdische Container, Glockenbehälter sowie 120- und 240-Liter-Behälter in Wohngebieten. Im Kanton Sarajevo gibt es etwa 60.000 Haushalte in individuellen Wohneinheiten sowie rund 105.000 Haushalte in Mehrfamiliengebäuden. Derzeit sind rund 15.000 Haushalte in ein System der getrennten Abfallsammlung eingebunden. Zusätzlich bestehen etwa 300 Sammelinseln für Mehrfamilienhäuser, ausgestattet mit Containern für Papier, Kunststoffverpackungen und Glas. Darüber hinaus erbringt KJKP „RAD“ seine Dienstleistungen für rund 15.625 gewerbliche und sonstige juristische Einrichtungen im Kanton Sarajevo. Die Recyclingquote liegt derzeit bei unter 1 %. Der überwiegende Teil der Abfälle wird auf der Deponie Smiljevići abgelagert. Gemäß dem Strategieplan 2023–2030 verfolgt KJKP RAD das Ziel, die auf der Deponie entsorgten Abfallmengen deutlich zu reduzieren, die getrennte Sammlung auszubauen und die Recyclingquote bis 2032 auf 55 % zu steigern. Geplant sind unter anderem die Einführung obligatorischer Mülltrennung, der Ausbau von Recyclingzentren und Sammelinseln sowie die Implementierung mechanisch-biologischer Abfallbehandlung.

Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) ist der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger für die Stadt und den Landkreis Hildesheim in Niedersachsen, Deutschland. Das Verbandsgebiet umfasst eine Fläche von rund 1.208 km² mit etwa 278.000 Einwohner*innen in rund 136.000 Haushalten. Der ZAH ist zuständig für die Organisation und Durchführung der kommunalen Abfallentsorgung, einschließlich Restabfall, Bioabfall, Altpapier und Leichtverpackungen. Darüber hinaus verantwortet der Verband die Schadstoffsammlung, die Abfallberatung sowie ergänzende Dienstleistungen wie Containerdienste und Kanalreinigung. Der Verband verfügt über rund 170 Mitarbeitende und eine eigene Logistikflotte mit insgesamt 92 Einsatzfahrzeugen, davon 55 Sammelfahrzeuge für Restabfall, Bioabfall, Papier, Sperrmüll und Verpackungsabfälle. In der Weiterverarbeitung getrennt gesammelter Abfälle arbeitet der ZAH eng mit privaten Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen zusammen. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 hat der ZAH ein flächendeckendes, haushaltsnahes Sammelsystem aufgebaut und verfügt über umfassende Erfahrung in den Bereichen Logistikorganisation, Gebührenwesen, Öffentlichkeitsarbeit und Kreislaufwirtschaft. Abfälle aus privater Herkunft werden im Zweckverbandsgebiet des ZAH grundsätzlich haushaltsnah in vier getrennten Fraktionen erfasst und vor der Haustür abgeholt: in der blauen Tonne für Altpapier, der gelben Tonne für Leichtverpackungen, der grünen Biotonne für Bioabfälle sowie der schwarzen Tonne für gemischte Siedlungsabfälle. Im Jahr 2024 wurden über diese vier Sammelsysteme insgesamt rund 140.000 Tonnen Abfälle aus privaten Haushalten erfasst. Davon entfielen rund 36.500 Tonnen auf Bioabfälle (grüne Tonne), 17.000 Tonnen auf Altpapier (blaue Tonne) und 9.250 Tonnen auf Leichtverpackungen (gelbe Tonne). In der schwarzen Tonne für Restabfälle wurden im Jahr 2024 rund 45.000 Tonnen gesammelt. Die darüberhinausgehenden Mengen entfielen auf Sperrmüll sowie weitere getrennt erfasste Abfallströme.

Das Projekt

Die Betreiberpartnerschaft zwischen dem Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) und KJKP „RAD“ Sarajevo wurde Ende 2025 im Rahmen der Betreiberplattform initiiert. Sie ist Teil des GIZ-Programms „Grüne Transformation – Förderung der Kreislaufwirtschaft in Städten und Gemeinden in Bosnien und Herzegowina“, das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt wird.

Die Partnerschaft basiert nicht auf einer bestehenden Städtekooperation, sondern wurde gezielt im Rahmen des GIZ-Programms angebahnt. Ziel ist ein praxisnaher Erfahrungsaustausch zur Weiterentwicklung zentraler Bereiche der kommunalen Abfallwirtschaft in Sarajevo. Im Fokus stehen insbesondere die Verbesserung der finanziellen Grundlagen, die Optimierung betrieblicher Abläufe sowie die Stärkung organisatorischer Strukturen.

Arbeitspakete der Partnerschaft

Es gibt drei zentrale Arbeitspakete, denen sich die Partnerschaft widmet:

Tarifstruktur und Gebühren, operative Optimierung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation.

  • Tarifstruktur, Gebühren und Regulierung

Die bestehende Gebührenstruktur von KJKP RAD basiert auf Grundlagen, die seit vielen Jahren nicht grundlegend angepasst wurden. Angesichts gestiegener Betriebs- und Investitionskosten besteht ein struktureller Reformbedarf. Ziel dieses Arbeitspakets ist die Weiterentwicklung eines wirtschaftlich tragfähigen und verursachungsgerechten Gebührensystems.

Im Fokus stehen der Austausch zu Gebührenmodellen, Kalkulationsansätzen und regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Analyse der bestehenden Datenbasis. Erste Fortschritte wurden bereits durch die im März 2026 verabschiedete Reform der Gebührenstruktur erreicht. Die Zusammenarbeit erfolgt durch regelmäßige Fachgespräche, Workshops und Arbeitsbesuche. 

  • Operative Optimierung und wirtschaftliche Effizienz

Die Abfallwirtschaft im Kanton Sarajevo verfügt über grundlegende technische Strukturen, weist jedoch in vielen Bereichen organisatorische und betriebliche Optimierungspotenziale auf. Ziel dieses Arbeitspakets ist die Steigerung der Effizienz in Sammlung, Transport und Betriebsorganisation.

Schwerpunkte sind unter anderem die Optimierung von Routen- und Einsatzplanung, die Weiterentwicklung von Beschaffungs- und Vermarktungsprozessen sowie die Verbesserung der Nutzung von Wertstoffen. Die Zusammenarbeit umfasst Analysen vor Ort, fachlichen Austausch sowie praxisnahe Einblicke im Rahmen von Arbeitsbesuchen und Job-Shadowing.

  • Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Transparenz

Eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Abfallwirtschaft erfordert die Akzeptanz von Bevölkerung und politischen Entscheidungsträgern. Ziel dieses Arbeitspakets ist die Stärkung von Kommunikation, Transparenz und öffentlichem Bewusstsein für nachhaltige Abfallwirtschaft.

Im Fokus stehen Maßnahmen zur Information und Sensibilisierung der Bevölkerung, die Verbesserung interner und externer Kommunikationsstrukturen sowie die Unterstützung einer faktenbasierten öffentlichen Diskussion. Die Zusammenarbeit erfolgt durch Austausch zu Kommunikationsstrategien, gemeinsame Formate und begleitende Öffentlichkeitsarbeit.

Aktivitäten

Die Aktivitäten der Partnerschaft dienen dem praxisnahen Austausch zwischen beiden Unternehmen und der gemeinsamen Entwicklung konkreter Lösungsansätze. Ziel ist es, Erfahrungen direkt in anwendbare Maßnahmen zu überführen und die Zusammenarbeit kontinuierlich zu vertiefen.

Teilnehmende am Auftaktbesuch in Sarajevo im März 2026 | Foto: Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim
Anlagen des KJKP „RAD“ Sarajevo | Foto: Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim
Anlagen des KJKP „RAD“ Sarajevo | Foto: Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim
Fahrzeuge des KJKP „RAD“ Sarajevo | Foto: Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim
Fahrzeuge des KJKP „RAD“ Sarajevo | Foto: Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim

Titelfoto: Julian Nyča

Factsheets

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Fact sheet about the cooperation between Kyivvodokanal and HAMBURG WASSER in the frame of a solidarity partnership and for the future of the City of Kyiv and the Free and Hanseatic City …

AUS DER PROJEKTARBEIT

Projektprofil

Laufzeit

Dezember 2025 – Juni 2028

Themenschwerpunkte

  • Weiterentwicklung von Tarifstruktur, Gebühren und Regulierung als finanzielle Grundlage einer nachhaltigen Abfallwirtschaft
  • Optimierung operativer Abläufe und organisatorischer Strukturen zur Steigerung der Effizienz und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
  • Stärkung von Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Transparenz zur Förderung gesellschaftlicher und politischer Akzeptanz